Entgeltgleichheit prüfen mit eg-check.de

03.05.2017 Anforderungsbezogenes Grundentgelt

Das anforderungsbezogene Grundentgelt für eine Arbeit hängt von den mit ihr verbundenen Aufgaben und Rahmenbedingungen ab. Aus diesen Anforderungen einer Tätigkeit ergibt sich dann die Eingruppierung in eine Entgeltgruppe. Nicht zum anforderungsbezogenen Grundentgelt zählen Stufensteigerungen, da diese in der Regel auf Erfahrungszeiten in der Tätigkeit beruhen und gesondert geprüft werden müssen.

Beim anforderungsbezogenen Grundentgelt muss gewährleistet sein, dass gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit gezahlt wird.

  1. Gleiche Arbeit: Identische oder zumindest gleichartige Tätigkeit; Aufgaben, Anforderungen und Rahmenbedingungen sind weitgehend ähnlich.
  2. Gleichwertige Arbeit: Inhaltlich verschiedenartige Tätigkeiten, jedoch im Hinblick auf die mit ihnen verbundenen Anforderungen von gleichem Wert.
    Gegen das Konzept der Gleichwertigkeit wird mitunter eingewendet, es dürften nicht „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden. Jedoch enthält jeder Entgelttarifvertrag solche Gleichwertigkeitsaussagen, wenn zwei verschiedenartige Tätigkeiten derselben Entgeltgruppe zugeordnet werden.

Je nachdem, ob Sie die Entgelte für gleiche oder gleichwertige Arbeit in Ihrem Unternehmen auf Benachteiligung überprüfen möchten, bietet eg-check.de eigene Vorgehensweisen an:

Prüffrage 1: Gleiches Entgelt für gleiche Arbeit?

Ein Verstoß gegen das Prinzip "Gleiche Arbeit = gleiches Entgelt" kann zum Beispiel vorliegen, wenn

  • Frauen korrekt nach Tarifvertrag eingruppiert sind, Männer mit gleicher Tätigkeit jedoch eine Gruppe höher
  • eine Nachfolgerin auf einer Stelle ein niedrigeres Grundentgelt als ihr Vorgänger erhält
  • einzelne Männer individuelle Zulagen erhalten, Frauen bei gleicher Tätigkeit jedoch nicht
  • bei Frauen das Tarifentgelt (zunächst) unterschritten wird, während Männer sofort das volle Grundentgelt erhalten

Prüfinstrument

Ob in Ihrem Unternehmen für gleiche Arbeit auch gleiches Entgelt gezahlt wird, können Sie mit Hilfe einer Statistik überprüfen. Tragen Sie Ihre Entgeltdaten dafür in den Excel-Musterbogen für Statistiken ein. Beim Ausfüllen und Auswerten der Tabellen hilft Ihnen das Anwendungsbeispiel.

Musterbögen für das anforderungsbezogene Grundentgelt herunterladen (zip)

Anwendungsbeispiel für Statistik

Ungleiches Entgelt bei gleicher Arbeit gerechtfertigt?

Bei der Prüfung des anforderungsbezogenen Grundentgelts in Ihrem Unternehmen werden Sie möglicherweise auf Argumente stoßen, die eine unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit rechtfertigen sollen. Folgende Gründe sind dabei nach rechtlichen Maßstäben NICHT zulässig:

  • "Sie ist noch nicht so lange im Betrieb."
  • "Sie ist jünger."
  • "Sie hat nicht mehr gefordert."
  • "Sie hat eine kürzere Ausbildung."
  • "Sie ist noch nicht so lange erwerbstätig."
  • "Sie arbeitet nicht so häufig länger."
  • "Sie hat keine Familie zu versorgen."
  • "Sie leistet weniger."

Prüffrage 2: Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit?

Ein Verstoß gegen das Prinzip "Gleichwertige Arbeit = gleiches Entgelt" kann zum Beispiel in folgenden Fällen vorliegen:

  • Anforderungen an frauendominierte Tätigkeiten werden nicht bewertet, z.B. Körperkraft bei Pflegepersonal oder soziale Kompetenz


  • Tätigkeiten werden nach diskriminierungsanfälligen Kriterien bewertet, die Frauen aufgrund familiärer Rollenverteilung oder Körperkraft schlechter erfüllen können als Männer, z.B. persönliche Erwerbserfahrung

  • Kriterien sind nicht geschlechtsneutral definiert, z.B. Verantwortung wird nur als Führungs- oder Finanzverantwortung interpretiert, nicht auch als Verantwortung für Menschen

  • Kriterien werden unter verschiedenen Bezeichnungen doppelt bewertet und begünstigen männerdominierte Gruppen (z.B. Verantwortung und Selbstständigkeit)

  • Frauendominierte kaufmännische Tätigkeiten werden geringer vergütet als männerdominierte technische oder gewerbliche Tätigkeiten mit gleichem Anforderungsniveau

  • Bestimmte Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, werden pauschal als einfachste Tätigkeiten bewertet und niedriger eingruppiert als gleichwertige männerdominierte Tätigkeiten.

Prüfinstrumente auswählen

Ob in Ihrem Unternehmen gleichwertige Arbeit auch gleich bezahlt wird, können Sie mit Hilfe von Statistiken, Paarvergleichen und Regelungschecks überprüfen.

Die Statistik zeigt u.a. die Eingruppierung von frauen- und männerdominierten Tätigkeiten. Bei der Auswertung kann sich die Frage stellen, ob unterschiedliche Eingruppierungen sachlich gerechtfertigt sind. Ein Beispiel: Buchhaltung = Entgeltgruppe 6, Schlosser_in = Entgeltgruppe 7.

Wollen Sie dies überprüfen, vergleichen Sie diese beiden Tätigkeiten miteinander. Prüfen Sie zunächst, mit welchen Kriterien die jetzige Eingruppierung begründet wird. Hierzu können Sie den Paarvergleich (Ist) nutzen.

Wollen Sie ermitteln, ob die beiden Vergleichstätigkeiten tatsächlich gleichwertig sind, verwenden Sie den Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit von Tätigkeiten. Es handelt sich um ein wissenschaftlich entwickeltes Prüfsystem zur Bewertung von Stellen, das rechtlichen Anforderungen genügt. Es ist ggf. den betriebsspezifischen Bedingungen anzupassen. Damit können sie prüfen, welche Anforderungen tatsächlich an die Vergleichstätigkeiten gestellt werden und ob sie im Anforderungsniveau gleichwertig sind.

Ob die bei Ihnen geltenden tariflichen oder betrieblichen Regelungen diskriminierungsanfällig sind, können Sie mit Hilfe des Regelungs-Checks feststellen.

Daten aus Ihrem Unternehmen können Sie in bereits vorbereitete Excel-Musterbögen für Statistiken, Paarvergleiche und Regelungs-Checks eintragen. Beim Regelungs-Check ergibt sich die Auswertung aus den kurzen erläuternden Texten im Fragebogen. Beim Ausfüllen und Auswerten der Statistik- und Paarvergleichstabellen helfen die Anwendungsbeispiele.

Musterbögen für das anforderungsbezogene Grundentgelt herunterladen (zip)

Musterbogen für den Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit von Tätigkeiten herunterladen (zip)

Anwendungsbeispiel für

Statistik
Paarvergleiche

Ungleiches Entgelt bei gleichwertiger Arbeit gerechtfertigt?

Bei der Prüfung des anforderungsbezogenen Grundentgelts in Ihrem Unternehmen werden Sie möglicherweise auf Argumente stoßen, die eine unterschiedliche Bezahlung für gleichwertige Arbeit rechtfertigen sollen. Folgende Gründe sind dabei nach rechtlichen Maßstäben NICHT zulässig:

  • "Die ungleiche Bezahlung ist Ergebnis von Tarifverhandlungen."
  • "Dieselben Tarifparteien bewerten die Tätigkeiten im Unternehmen unterschiedlich, zum Beispiel nach ihrem Status als Arbeitgeber_innen/ Angestellte, nach kaufmännischer oder technischer Tätigkeit, nach Berufsgruppen oder -sparten."
  • "Die ungleiche Bezahlung resultiert aus individuellen Gehaltsverhandlungen."
  • "Der Betrieb muss Kosten sparen."