Benachteiligungserfahrungen von Personen mit und ohne Migrationshintergrund

2012

im Ost-West-Vergleich

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen

  • Personen mit Migrationshintergrund berichteten fast doppelt so häufig von erlebten Diskriminierungen wie die Mehrheitsbevölkerung. 41,9 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund und rund 25 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund gaben an, in den letzten 12 Monaten benachteiligt worden zu sein.
  • Von den Befragten mit Migrationshintergrund gaben 9,4 Prozent an bei der Wohnungssuche, 10 Prozent auf dem Arbeitsmarkt, 6,5 Prozent im Bildungsbereich und 9 Prozent durch Ämter und Behörden „sehr stark“ oder „eher stark“ benachteiligt worden zu sein. Allerdings waren nicht alle abgefragten Lebensbereiche – wie zum Beispiel die Bildung oder Wohnungssuche – für die Befragten zum Befragungszeitpunkt gleichermaßen relevant.
  • In absoluten Zahlen gaben die meisten Befragten mit Migrationshintergrund an, bei Ämtern und Behörden (1.339 der Befragten) sowie am Arbeitsmarkt (1.156 der Befragten) benachteiligt worden zu sein.

Insbesondere sichtbare Minderheiten und Muslime berichten von Diskriminierung

  • Insbesondere sichtbare Minderheiten wie die Gruppe der Personen mit türkischem Migrationshintergrund und Personen der Herkunftsgruppe Afrika/Asien/Lateinamerika erlebten häufiger Diskriminierungen: 31,3 Prozent der Befragten mit türkischem Migrationshintergrund und 33,3 Prozent der Befragten der Herkunftsgruppen Afrika/Asien/Lateinamerika berichteten über Benachteiligungen am Arbeitsmarkt. Mehr als ein Drittel der Befragten dieser Herkunftsgruppen erlebten zudem Benachteiligungen bei Behörden und Ämtern (Herkunftsgruppe Türkei: 31,6 Prozent, Herkunftsgruppe Afrika/Asien/Lateinamerika: 31,5 Prozent). Auch bei der Wohnungssuche fühlte sich fast ein Drittel der Befragten dieser Gruppen benachteiligt (Herkunftsgruppe Türkei: 30,6 Prozent, Herkunftsgruppe Afrika/Asien/Lateinamerika: 27,9%). Alarmierend ist zudem, dass 23,7 Prozent der Befragten mit türkischem Migrationshintergrund sowie 20,9 Prozent der Befragten mit der Herkunftsgruppe Afrika/Asien/Lateinamerika Diskriminierungen in der Nachbarschaft erlebten.
  • Die Gruppe der Spät-/Aussiedler*innen erlebt mit 23,1 Prozent am stärksten Benachteiligungen am Arbeitsmarkt.
  • Muslime gaben signifikant höhere Benachteiligungserfahrungen an. So erlebten 38,2 Prozent der Befragten der Herkunftsgruppe Afrika/Asien/Lateinamerika mit muslimischer Religionszugehörigkeit Benachteiligungen am Arbeitsmarkt (mit christlicher Religionszugehörigkeit: 31,6 Prozent, ohne: 28,8 Prozent).

Kein Ost-West-Unterschied

Im Vergleich von Ost- und Westdeutschland lässt sich kein signifikanter Unterschied im persönlichen Erleben von Diskriminierung erkennen.

Mehrheitsbevölkerung steht Vielfalt skeptischer gegenüber

Die Mehrheitsbevölkerung steht einer ethnischen Vielfalt größtenteils skeptischer gegenüber als die Zuwanderungsbevölkerung. So ist die Zustimmung zur Vielfalt in der Nachbarschaft, im Bildungssystem und am Arbeitsplatz bei Personen ohne Migrationshintergrund geringer als bei Personen mit Migrationshintergrund.