Umgang mit religiöser Vielfalt am Arbeitsplatz

2016

Praxisbeispiele aus Unternehmen und Verwaltungen

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

Allgemeine Merkmale

  • Insgesamt wurden 15 verschiedene Verfahren identifiziert, die als Beispiele guter Praxis Eingang in die Expertise fanden.
  • Bei der Recherche konnte keine große Vielfalt an bewährten Maßnahmen ausgemacht werden. Vielmehr wurde eine Verunsicherung bei vielen Arbeitgebern deutlich, wie mit religiöser Vielfalt und betrieblichen Anforderungen umgegangen werden kann.
  • Die meisten Maßnahmen fanden sich im Bereich der Unternehmenskultur, z.B. Verhaltenskodizes und der Arbeitsorganisation. Letztere treffen Vorkehrungen, um die Ausübung von Religion innerhalb der betrieblichen Gegebenheiten zu ermöglichen, z.B. vielseitiges Kantinenangebot, Gebetsräume etc.
    Maßnahmen, die sich auf andere Arbeitsbereiche beziehen (z.B. codes of conduct oder Betriebsvereinbarungen), sind meist in eine umfassendere Diversity-Strategie eingebettet.
  • Religion ist in kaum einem der befragten Betriebe ein Schwerpunktthema des Diversity-Managements.
  • Häufig bilden die Maßnahmen eine Antwort auf eine spezifische Problemlage, für die eine auf den Betrieb und die Situation passende Lösung gefunden werden musste.
  • Vorhandene religionssensible Maßnahmen betreffen insbesondere die Gruppe der Muslim*innen.
  • Betriebsräte oder Gewerkschaften wie auch Religionsverbände sind noch kaum mit dem Thema befasst.

Spezifische Merkmale einzelner Wirtschaftssektoren

In privaten Unternehmen ist oftmals die ethnische Vielfalt der Ausgangspunkt für einzelne Maßnahmen. Die Wertschätzung religiöser Vielfalt bildet deshalb gerade in den Großunternehmen einen Teil des betrieblichen Diversity-Managements und findet dort oftmals eine Überschneidung mit der ethnischen Herkunft oder auch dem Geschlecht. In kleinen und mittleren Unternehmen ist es hingegen schwierig, bewährte Verfahren zu finden.

Bei öffentlichen Verwaltungen wird die neutrale Haltung gegenüber Religionszugehörigkeiten betont. Die Förderung der Akzeptanz von religiöser Vielfalt erfolgt dort implizit z.B. durch anonymisierte Bewerbungsverfahren oder Ausbildungskampagnen für den öffentlichen Dienst.

Bei den kirchlichen Dienstgebern sind besonders ein Fachkräftemangel sowie die Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung im sozialen Dienstleistungssektor ausschlaggebend für eine Haltung, die religiöse Vielfalt berücksichtigt. In diesem Sektor ist ein sehr defensiver Umgang mit religiöser Verschiedenheit festzustellen.