Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung

2014

Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Einstellungen gegenüber Sinti und Roma zwischen ausgeprägter Gleichgültigkeit und deutlicher Ablehnung bewegen. Sinti und Roma sind der Bevölkerung nicht vertraut. Vielen Befragten fehlt der kognitive und emotionale Bezug zum Thema. Trotz der vorhandenen Ablehnung kann für die Mehrheit der Bevölkerung nicht von einem eindeutigen Feindbild gesprochen werden. Es bedarf jedoch keines klaren Feindbildes, um situativ hochgradige Ablehnung gegenüber Sinti und Roma zu äußern. Die Abwertung und die Existenz von Vorurteilen sind in allen Bevölkerungsgruppen anzutreffen. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Wissen und Wissensvermittlung

  • Die Erhebung zeigt, dass in der Bevölkerung ein mangelndes Interesse und Wissen über Sinti und Roma existiert.
  • Die große Mehrheit kennt die Begriffe „Sinti“ und „Roma“, macht jedoch keinen Unterschied.

Wahrnehmung von Berichterstattung über Sinti und Roma

  • Lediglich 40 Prozent der Befragten hat die aktuelle Medienberichterstattung registriert.
  • Ein Großteil der Befragten (74 Prozent) gab an, dass die Themen kein Gesprächsgegenstand für sie sind.
  • Personen, die bereits eine negativere Einstellung gegenüber Sinti und Roma haben – ca. 8 Prozent aller Befragten – verfolgen stärker die Medienberichterstattung.

Gedenken an die Verbrechen an Sinti und Roma im Nationalsozialismus

  • Die große Mehrheit der Befragten (81 Prozent) hat Kenntnis über die Verbrechen an Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Mit sinkendem Alter der Befragten verringert sich jedoch die Kenntnis der Ereignisse.
  • Während in der Bevölkerung eine große Akzeptanz für das Gedenken der Verbrechen an den Sinti und Roma herrscht, wird eine „historische Verantwortung“ Deutschlands gegenüber Sinti und Roma seltener befürwortet.

Wahrnehmung von und Kontakt zu Sinti und Roma

  • 31 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie Angehörige der Minderheit anhand des äußerlichen Erscheinungsbildes und der Art des Auftretens – zum Beispiel im Kontext von Betteln und dem Antreffen in Gruppen – erkennen könnten. Durch diese Stigmatisierung von Sinti und Roma als äußerlich erkennbare „Fremde“ werden nur diejenigen Personen als zur Minderheit zugehörig wahrgenommen, die dem angenommenen optischen Bild entsprechen.
  • Private Kontakte mit Sinti und Roma werden nur von wenigen Einzelpersonen geschildert.
  • Die Minderheit wird als nicht-deutsch markiert und mit Migration in Verbindung gebracht, trotz deutscher Staatsbürgerschaft gelten Sinti und Roma für die Mehrheit als fremd.

Antipathie und soziale Distanz – Gruppenvergleich

  • Im Vergleich zu Einstellungen der Bevölkerung gegenüber anderen Minderheiten (z.B. Muslim*innen, Asylsuchenden, Osteuropäer*innen) nahm die Gruppe der Sinti und Roma jeweils den niedrigsten Rang in der „ethnischen Hierarchie“ ein. Keine andere Gruppe hatte durchgängig ähnlich hohe Mittelwerte. Ihnen wird die geringste Sympathie entgegengebracht, sie sind am wenigsten als Nachbarn erwünscht, ihr Lebensstil wird als besonders abweichend eingeschätzt.

Einschätzung der Lebenssituation

  • Die Situation von Sinti und Roma wird in Deutschland durchweg als eher schlecht eingeschätzt, noch schlechter wird die Situation in Europa beurteilt. Ein nicht geringer Teil der Befragten spricht den Betroffenen eine Mitschuld an ihrer Lage in Osteuropa zu.
  • Im Hinblick auf Maßnahmen für ein gutes Zusammenleben zeigt sich ein zwiespältiges Bild: Zum einen werden Sinti und Roma als Gruppe betrachtet, der mit Integrationsmaßnahmen geholfen werden soll. Zum anderen erscheinen sie als eine Bedrohung, der man mit ausschließenden und kontrollierenden Maßnahmen begegnen sollte.