Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland

2017

Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

In Bezug auf Formen klassischer Homophobie – also das offene Abwerten von Homosexualität als unmoralisch oder unnatürlich sowie das Absprechen gleicher Rechte – setzt sich ein positiver Trend fort: Solche Positionen werden nur mehr von einem kleinen Teil der Bevölkerung geteilt (12 Prozent).

Zum Zeitpunkt der Befragung – also wenige Monate vor dem Beschluss des Deutschen Bundestages zur Öffnung der Ehe – stimmten 83 Prozent der Befragten eher oder voll und ganz zu, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt sein sollte. Eine Mehrheit sprach sich auch für gleiche Rechte in Bezug auf Adoption und Unterstützung bei künstlichen Befruchtungen aus, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau.

Moderne bzw. subtile Formen von Homophobiez.B. die Ablehnung der Sichtbarkeit von Homosexualität in der Öffentlichkeit oder der Thematisierung in den Medien – sind weiterverbreitet als Formen klassischer Homophobie. So sind beispielsweise 44 Prozent der Ansicht, Homosexuelle sollten aufhören, „so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen“.

Dies zeigt sich auch bei der affektiven Komponente von Vorurteilen, bei der es um die Gefühle gegenüber einer bestimmten Gruppe geht. So verbinden relativ viele Befragte negative Gefühle mit einem offenen Umgang mit Homosexualität in der Öffentlichkeit: 28 bzw. 38 Prozent ist es unangenehm, wenn sich zwei Frauen bzw. zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen.

90 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Schulen den Schüler*innen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen vermitteln sollen. Ein Teil der Befragten lehnt die konkreten Mittel zum Erreichen dieses Ziels jedoch ab: So ist beispielsweise gut ein Viertel der Befragten der Ansicht, dass in der Schule nur Paare aus Mann und Frau vorkommen sollten, wenn es um Liebe und Partnerschaft geht.

Befragte, die wissen, dass das Ziel der Bildungspläne die Akzeptanzvermittlung gegenüber LSB ist und nicht die Ermunterung zum Ausprobieren unterschiedlicher Sexualpraktiken, sprechen sich deutlich häufiger für die Berücksichtigung des Themas sexueller Vielfalt im Schulunterricht aus.