GSB 7.1 Standardlösung

Anforderungsbezogenes Grundentgelt

Zu diesem Entgeltbestandteil gibt es eine Statistik, einen Regelungs-Check, den Paarvergleich Grundentgelt und den Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit von Tätigkeiten.

Beim anforderungsbezogenen Grundentgelt muss gewährleistet sein, dass gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit gezahlt wird.

  1. Gleiche Arbeit: Es sind identische oder gleichartige Tätigkeiten an verschiedenen oder nacheinander an denselben Arbeitsplätzen auszuführen (§ 4 Abs. 2 EntgTranspG)
  2. Gleichwertige Arbeit: Es werden inhaltlich verschiedenartige Tätigkeiten ausgeführt, die jedoch im Hinblick auf die mit ihnen verbundenen Anforderungen von gleichem Wert sein können. Maßgeblich ist, ob sich die Beschäftigten unter anderem hinsichtlich der Art der Arbeit, den Ausbildungsanforderungen und den Arbeitsbedingungen in vergleichbarer Situation befinden; entscheidend sind die tatsächlichen, für die Tätigkeit wesentlichen Anforderungen, unabhängig von den ausübenden Beschäftigten und ihren Leistungen (§ 4 Abs. 2 EntgTranspG).
    Gegen das Konzept der Gleichwertigkeit wird mitunter eingewendet, es dürften nicht „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden. Jedoch enthält jeder Entgelttarifvertrag solche Gleichwertigkeitsaussagen, wenn zwei verschiedenartige Tätigkeiten derselben Entgeltgruppe zugeordnet werden.

Prüffrage 1: Wird gleiches Entgelt für gleiche Arbeit gezahlt?

Ein Verstoß gegen das Prinzip "Gleiche Arbeit = gleiches Entgelt" kann zum Beispiel vorliegen, wenn

  • Frauen korrekt nach Tarifvertrag eingruppiert sind, Männer mit gleicher Tätigkeit jedoch eine Gruppe höher.
  • eine Nachfolgerin auf einer Stelle ein niedrigeres Grundentgelt als ihr Vorgänger erhält.
  • einzelne Männer individuelle Zulagen erhalten, Frauen bei gleicher Tätigkeit jedoch nicht.
  • bei Frauen das Tarifentgelt (zunächst) unterschritten wird, während Männer sofort das volle Grundentgelt erhalten.

Kann ungleiches Entgelt bei gleicher Arbeit gerechtfertigt sein?

Bei der Prüfung des anforderungsbezogenen Grundentgelts in Ihrem Unternehmen werden Sie möglicherweise auf Argumente stoßen, die eine unterschiedliche Bezahlung für gleiche Arbeit rechtfertigen sollen. Doch ungleiche Bezahlung gleicher Arbeit kann nach rechtlichen Maßstäben nicht gerechtfertigt werden. Insbesondere sind folgende Gründe dabei rechtlich NICHT zulässig:

  • "Sie ist noch nicht so lange im Betrieb."
  • "Sie ist jünger."
  • "Sie hat nicht mehr gefordert."
  • "Sie hat eine kürzere Ausbildung."
  • "Sie ist noch nicht so lange erwerbstätig."
  • "Sie arbeitet nicht so häufig länger."
  • "Sie hat keine Familie zu versorgen."
  • "Sie leistet weniger."

Prüffrage 2: Wird gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit gezahlt?

Ein Verstoß gegen das Prinzip "Gleichwertige Arbeit = gleiches Entgelt" kann zum Beispiel in folgenden Fällen vorliegen:

  • Anforderungen an frauendominierte Tätigkeiten werden nicht bewertet, z.B. Körperkraft bei Pflegepersonal oder soziale Kompetenz.
  • Tätigkeiten werden nach diskriminierungsanfälligen Kriterien bewertet, die Frauen aufgrund familiärer Rollenverteilung oder Körperkraft schlechter erfüllen können als Männer, z.B. persönliche Erwerbserfahrung.
  • Kriterien sind nicht geschlechtsneutral definiert, z.B. Verantwortung wird nur als Führungs- oder Finanzverantwortung interpretiert, nicht auch als Verantwortung für Menschen.
  • Kriterien werden unter verschiedenen Bezeichnungen doppelt bewertet und begünstigen männerdominierte Gruppen (z.B. Verantwortung und Selbstständigkeit).
  • Frauendominierte kaufmännische Tätigkeiten werden geringer vergütet als männerdominierte technische oder gewerbliche Tätigkeiten mit gleichem Anforderungsniveau.
  • Bestimmte Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, werden pauschal als einfachste Tätigkeiten bewertet und niedriger eingruppiert als gleichwertige männerdominierte Tätigkeiten.

Kann ungleiches Entgelt bei gleichwertiger Arbeit gerechtfertigt sein?

Bei der Prüfung des anforderungsbezogenen Grundentgelts in Ihrem Unternehmen werden Sie möglicherweise auf Argumente stoßen, die eine unterschiedliche Bezahlung für gleichwertige Arbeit rechtfertigen sollen. Dies kann nach § 3 Abs. 3 EntgTranspG dann der Fall sein, wenn die unterschiedliche Bezahlung durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt ist und die Mittel zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich sind. Folgende Gründe sind allerdings nach rechtlichen Maßstäben NICHT zulässig:

  • "Die ungleiche Bezahlung ist Ergebnis von Tarifverhandlungen."
  • "Dieselben Tarifparteien bewerten die Tätigkeiten im Unternehmen unterschiedlich, zum Beispiel nach ihrem Status als Arbeiter_innen/ Angestellte, nach kaufmännischer oder technischer Tätigkeit, nach Berufsgruppen oder -sparten."
  • "Die ungleiche Bezahlung resultiert aus individuellen Gehaltsverhandlungen."
  • "Der Betrieb muss Kosten sparen."